Amazon und eBay führen neue Vorgaben für die Warenrücksendung ein

31.3.2015 / Veröffentlicht durch: / Kategorien: Partner, Rechtliches

Wer seine Waren nicht nur über den eigenen Onlineshop, sondern auch über Online-Marktplätze wie eBay oder Amazon verkauft, muss nicht nur die gesetzlichen Vorgaben beachten, sondern auch die Regeln einhalten, die die Plattformbetreiber ihren Nutzern auferlegen. Die beiden größten Marktplätze haben seit kurzer Zeit neue Richtlinien eingeführt, die die Warenrücksendung betreffen. Die Neuerungen gelten bei Amazon seit dem 12.3.2015. EBay nimmt die Umstellung schrittweise seit Anfang März vor.

Neuer Rückgabeprozess bei eBay

Um den Warenverkauf über eBay sowohl für die Händler als auch deren Kunden attraktiver zu gestalten, führt der angeschlagene Konzern neue Regeln für die Warenrückgabe ein. Ziel ist es, die Geschäftsabwicklung für den Verkäufer, aber auch die Rückabwicklung für den Käufer zu erleichtern.

eBay-Rückgabeprozess wird für Verkäufer Pflicht

Nach Abschluss der Implementierung soll der Käufer wählen dürfen, ob er die Warenrücksendung über eBay abwickelt oder direkt mit dem Verkäufer. Entscheidet er sich für den eBay-Rückgabeprozess, ist der Verkäufer verpflichtet, alle weiteren Schritte ebenfalls darüber vorzunehmen. Bislang konnte der Händler entscheiden, wie er die Warenrücksendung organisieren wollte. Er konnte seine Kunden verpflichten, direkt mit ihm Kontakt aufzunehmen, hatte aber auch die Möglichkeit, freiwillig den eBay-Rückgabeprozess anzubieten. Letzteres wird nach der Umstellung für ihn zur Pflicht.

Und so funktioniert‘s

Will der Käufer die bestellten Artikel nicht behalten, kann er entweder eine entsprechende Nachricht an den Verkäufer senden oder die Rückgabe über „Mein eBay“ einleiten. Entscheidet er sich für letzteres, erhält der Händler eine Nachricht per Mail und kann alle weiteren Schritte ebenfalls über „Mein eBay“ einleiten. Dort findet er auch die neue Rubrik „Rückgabe“, in der alle Rückgabeanfragen samt Status angezeigt werden.

Vorteile für den Verkäufer

Der Verkäufer hat die Möglichkeit, seine Rückgabebedingungen in den eBay-Prozess einzuarbeiten. Zudem müssen beide Seiten künftig festgelegte Fristen einhalten. Die Neuerung ermöglicht es dem Händler, seinen Servicestatus positiv zu halten, sollte ein Kunde bei der Rücksendung angeben, dass die Ware „nicht wie beschrieben“ geliefert wurde. Denn wenn der Grund fälschlich oder sogar missbräuchlich angegeben wurde, kann der Händler einen „Fall“ eröffnen. Stellt sich heraus, dass der angegebene Grund unzutreffend ist, ergeht keine Negativbewertung.

Ausnahmen von der Pflicht

Für den Verkäufer bedeutet die Neuerung, dass er den Rückgabeprozess über eBay nur dann nicht nutzen muss, wenn sein Kunde sich direkt an ihn wendet oder es um einen Warenumtausch oder eine Ersatzlieferung geht. Da die Verkäufer bereits vor der Umstellung die Möglichkeit hatten, die Warenrückgabe über eBay zu organisieren, dürfte der Aufwand, die neuen Vorgaben umzusetzen, gering sein.

Neue Rückgaberichtlinie bei Amazon

Der Aufwand, den Händler betreiben müssen, um die neue Rückgaberichtlinie, die seit dem 12.3.2015 für den Verkauf über Amazon gilt, umzusetzen, dürfte deutlich höher und vor allem teurer sein. Denn der Online-Riese verpflichtet seine Händler dazu, entweder eine lokale Rücksendeadresse in jedem Land, deren Marktplatz sie nutzen, bereitzustellen oder die Rücksendekosten an die ausländische Retouren-Stelle zu übernehmen.

Ein Beispiel:

Ein Händler verkauft seine Waren über „amazon.de“ und über „amazon.it“. Er muss seinen Kunden dann sowohl eine Adresse in Deutschland als auch in Italien zur Verfügung stellen, an die sie die Waren zurücksenden können. Bietet er den Rückversand auch beim Verkauf über „amazon.it“ nur an die deutsche Anschrift an, muss er die Versandkosten aus Italien übernehmen und umgekehrt.

Wer seine Ware ausschließlich auf „amazon.de“ verkauft und aus Deutschland versendet, ist von den Neuerungen nicht betroffen.

Ziel der Neuerung: Verbraucherschutz oder Umsatzsteigerung?

Ziel der Regelungen ist es, den Amazon-Käufern die teuren Auslandsgebühren für den Rückversand zu ersparen und dadurch den Marktplatz noch attraktiver zu gestalten. Daneben dürfte Amazon aber auch weitergehende Geschäftsinteressen an der neuen Richtlinie haben. Bereits in der Information über die anstehenden Änderungen werden Drittanbieter genannt, die die Einrichtung von Retouren-Stellen im Ausland für die Amazon-Verkäufer übernehmen könnten. Nutzen die Marketplace-Händler die genannten Drittunternehmer, erhält Amazon dafür möglicherweise Provisionen.

„Versand durch Amazon“ ist von den Änderungen kaum betroffen

Hinzu kommt, dass die Neuerungen hauptsächlich diejenigen Verkäufer trifft, die den Warenversand selbst organisieren. Der „Versand durch Amazon“ ist nur minimal betroffen. Das könnte einige Händler veranlassen, ihre Artikel künftig über Amazon zu versenden. Diese zusätzlichen Artikel stünden dann dem „Prime“-Service zur Verfügung, der dadurch aufgewertet würde. Außerdem kassiert Amazon Gebühren für jede Lieferung, die es für die Verkäufer organisiert, und die Lagerung der Waren.

Änderung macht Anpassung der Widerrufsbelehrung erforderlich

Amazon-Händler müssen sich überlegen, wie sie ihr Geschäftsmodell künftig gestallten möchten. Auswirkung hat diese Entscheidung auf die im Fernabsatz gesetzlich erforderlichen Pflichtangaben. So muss etwa die Widerrufbelehrung entsprechend angepasst werden. Dort muss entweder die lokale Rücksendestelle genannt oder darüber informiert werden, dass der Verkäufer die Kosten der Warenrücksendung im Widerrufsfall übernimmt.

Konsequenzen bei Nichtumsetzung

Wer sich nicht an die neuen Vorgaben hält, muss zwar keine Abmahnungen fürchten, weil er kein Gesetz bricht. Amazon hat aber bereits angedroht, dass eine Folge der Entzug der Verkäuferlizenz sein kann. Ein Vertrieb über die Amazon-Marktplätze wäre dann nicht mehr möglich. Diese Folge dürfte weit geschäftsschädigender sein, als eine Abmahnung. Wehren können sich die Amazon-Händler gegen die Neuerungen daher kaum, zumal die Vorgaben auch nicht gegen das Verbraucherrecht verstoßen.

Fazit

Der Warenvertrieb über Online-Marktplätze wird also wieder ein Stück komplizierter und teurer. Dennoch stellen diese Plattformen einen guten Einstieg in den Online-Handel dar und dürften den Umsatz ankurbeln.